Ein Tag im Sommer

Ich hatte schon länger überlegt, einmal von einem Tag hier im Kinderheim zu berichten, und da heute ein besonders schöner Tag war, dachte ich mir, mache ich es dann mal!
Momentan ist hier Hochsommer und bis Ende Februar sind für alle Kinder noch Ferien. Das neue Schuljahr beginnt dann im März. Bis dahin sind fast alle Kinder hier bei uns und das den ganzen Tag.
In den Ferien werden die Kinder erst um 9:30 Uhr geweckt. Heute habe ich in der Schicht am Vormittag gearbeitet und mich dann direkt auf dem Weg zu den Häusern und Zimmern der Kinder gemacht. Für die Ferien sind ein paar argentinische Mädels hier, die bei allem helfen, das anfällt, deshalb war das Frühstück ruckzuck vorbereitet und nachdem ich mit den chicas geklärt hatte, wer sein Kleid vom letzten Abend nochmal anziehen darf, wurden gemütlich die facturas verzehrt und der Tee geschlürft.
Nachdem ich nur ein paar Minuten in der Ropería war und dort ein paar Regalfächer sortierte, kam meine Mitfreiwillige Sarah herein und schlug vor, ob wir nicht mit den Kindern zum Fluss gehen wollen, da wir das schon länger mal wieder vorhatten und sich der Vormittag anbietet, da die Hitze dann noch etwas erträglicher ist. Außerdem haben wir hier gerade ziemlich viele kleine Kinder, die sich über jeden Ausflug freuen. Wir klärten also schnell alles mit den tíos ab, schnappten uns ein paar kühle Wasserflaschen und Decken zum Setzen und wanderten durchs Dorf zum Fluss. Der Fluss liegt echt genau im Zentrum hinter der plaza und jetzt im Sommer ist das ganze Ufer von Grüppchen gefüllt, die im Schatten Mate trinken, ihre Kinder im flachen Wasser spielen lassen und einfach die Sommer in den Sierras genießen.
Auch wir tranken Mate, hörten Musik, machten Fotos und schnackten, während die vier Kleinsten im Wasser Tauchübungen veranstalteten. Die Zeit verging schnell, sodass wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg durch die Mittagshitze machen mussten. Verschwitzt und durstig erreichten wir dann unsere Heim-Oase und mussten nicht mehr lange aufs Mittagessen warten. Es gab Reis mit Mayonnaise- ein Klassiker, allerdings mit leckerem pollo aus dem Steinofen und saftigen Pfirsichen als Nachtisch.
Nach dem Essen kündigten die Chefs an, dass wir nachmittags an den Río Quilpo fahren würden, der ungefähr 5 Kilometer vom Heim entfernt liegt. Im Pool ist die Hitze theoretisch natürlich auch zu ertragen, allerdings ist ein Fluss, in dem man viel Platz zum Schwimmen und Toben hat, dann doch noch mal eine andere Geschichte. Wir packten schnell Badezeug und merienda-Snacks ein und quetschen uns zusammen in die Transporter, um zum Fluss zu fahren.
Dadurch, dass Montag war, konnten wir relativ schnell einen Schattenplatz ergattern und keinen Augenblick später stürzten sich die Kindern schon in die “Fluten” und wir hinterher. Die Badestelle hat einen angenehm flachen Teil, der sich ideal zum Schwimmenüben für die Kleinen eignet, aber auch nicht zu flach für die Größeren ist. Geht man ein Stück flussabwärts gibt es dann auch eine tiefe Stelle, wo man nicht mehr stehen kann und das Wasser schön frisch ist. Wir hatten also keine Probleme, die Kinder zu beschäftigen, man konnte sie eigentlich nur zum merienda essen aus dem Wasser bekommen. Alle hatten einen wirklich schönen Nachmittag mit ein bisschen Urlaubsgefühl. Als die Sonne langsam unterging, wurden wir dann auch schon wieder zurück zum Heim transportiert, wo ein Freund des Heims wartete und den Jungs nach dem Abendessen die Haare schnitt. Zum Einschlafen gab es für die Kinder noch eine Geschichte und ein Lied und dann sind sie hoffentlich schnell in ihren Träumen verschwunden. In letzter Zeit kommt es nämlich nicht selten vor, dass ein paar unausgelastete Kinder, die anderen nachts wachhalten. Bei der Hitze kann man sich aber auch einfach nicht bewegen. Im Januar hatten wir noch ein paar kühlere Regentage, die ich zwischen den heißen Tagen dann wirklich genoss, die Zeit ist jetzt allerdings vorbei. Gerade hört die Hitze irgendwie nicht auf, an heißen Tagen kommt aus dem Wasserhahn nur noch warmes Wasser und irgendwann werden vom Dorf die Leitungen geschlossen, weil das Wasser knapp wird.

So wie dieser Tag ist natürlich nicht jeder, ich verbringe meine Freizeit auch oft ohne die Kinder. Trotzdem kenne ich die meisten jetzt schon so gut, sodass man wirlich richtig Spaß mit ihnen haben kann.
Nach dem Zubettgehen der Kinder haben wir uns noch ins chillige Nachtleben von San Marcos gestürzt und den Sommertag auf diese Weise bestens beendet.
Ich hoffe in Deutschland wird der Schnee gut genutzt!
Bis dann!

(Der Tag war übrigens schon Anfang Februar, momentan gibt es wieder angenehmere Temperaturen und die Schule beginnt am Montag.)

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Ab in den frischen Süden…

Kurz vor Weihnachten habe ich mir im Dezember den Wunsch erfüllt, den südlichsten Süden Argentiniens (Feuerland und Südpatagonien) zu bereisen. Auch ein Mitfreiwilliger hatte dieses Ziel auf seiner Liste, weshalb wir uns dann gemeinsam auf den Weg ans Ende der Welt machten. Der Weg nach Ushuaia (Argentiniens südlichste Stadt, die auf der Hauptinsel Feuerlands liegt) hätte mit dem Bus für uns ungefähr drei Tage gedauert, deshalb entschieden wir uns für einen Flug. Wir verbrachten eine letzten Abend mit Ina in Córdoba, da für sie die Zeit in Argentinien dann schon vorbei war, und stiegen früh morgens ins Flugzeug gen Süden. Schon aus dem Flugzeug hatte man einen herrlichen Ausblick über die Berge und das Meer. Ushuaia  gilt als Fin Del Mundo  (Ende der Welt) und als letzte Station vor der Antarktis. Von dort starten viele Expeditionsreisen (auch für Touristen) ins ewige Eis. Ein Antarktistrip stand bei uns allerdings nicht auf dem Plan, dafür unternahmen wir andere schöne Dinge. Beispielsweise wanderten wir zu einem nahegelegenen Gletscher. Währenddessen wurden wir von eiskalten Winden überrascht und mussten auch über mehrere Schneefelder wandern, was bei mir ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung hervorgerufen hat, haha. Von oben konnte man dann bis ins Tal auf die Stadt und den Beagle-Kanal sehen, es hat sich also sehr gelohnt.
Einen kompletten Tag nahmen wir uns, um den Nationalpark Tierra Del Fuego zu besuchen. Dort wanderten wir an der rauen Küste entlang und sahen schöne Wälder, Felsen und Fjorde. Außerdem konnten wir dort hervorragend die Folgen der Biberbesiedlung sehen. Sie wurden in Feuerland angesiedelt, um die Wirtschaft anzutreiben, dabei wurde allerdings scheinbar nicht bedacht, dass sie dort keine Fressfeinde haben und die Bäume nicht angepasst sind. Deshalb vermehren sich die Biber immer weiter und zerstören sämtliche Waldgebiete. Ein Wanderweg im Nationalpark führt direkt zu einem riesigen Biberdamm und rundherum sind alle Bäume abgestorben.
In der Stadt Ushuaia kann man auch sehr schön bummeln: Sie ist zwar nicht groß, es gibt aber einige Läden, Cafés, Bars und Restaurants und am Hafen kann man über den Beagle-Kanal auf schöne Berge blicken. Die Temperaturen und die grundsätzliche Stimmung hätten sich perfekt für einen kleinen Weihnachtsmarkt oder wenigstens einen schönen Tannenbaum im Zentrum geeignet, die Vorweihnachtszeit gehört aber scheinbar einfach nicht zur argentinischen Kultur.
Wir besuchten außerdem zwei Museen, die über die Stadt und die Vergangenheit der Insel berichten. Als Feuerland von den Europäern entdeckt wurde, sahen diese aus der Ferne die Feuer der Ureinwohner, und gaben der Inselgruppe aus diesem Grund ihren Namen. Innerhalb kurzer Zeit wurden die ursprünglichen Einwohner, die dort vor allem vom Fang der Meerestiere lebten, fast komplett ausgerottet. Ushuaia besaß für einige Jahre im 20. Jahrhundert ein großes Gefängnis, das heute nur noch ein Museum ist. Anschließend siedelten sich mehr Menschen an und heute ist die Stadt ein beliebtes, wenn auch sehr teures, Touristenziel. Meiner Meinung nach, könnte man aber noch viel mehr aus der Stadt herausholen.
Daraufhin machten wir uns auf den Weg nach Río Grande: eine weitere Stadt auf dem argentinischen Teil der Insel. Die Stadt hatte für uns, trotz der Lage am Meer, wenig zu bieten und so fuhren wir am nächsten Tag direkt weiter nach Punta Arenas im chilenischen Patagonien. Wir mussten also zunächst die chilenische Grenze in Feuerland überqueren und daraufhin auch noch die Magellan-Straße. Auf der Fähre konnte ich einen schwarz-weißen Delphin erspähen, worüber ich mich seeehr gefreut habe! In Punta Arenas ist verglichen zu Río Grande touristisch sehr viel los. Die Stadt ist jedenfalls ziemlich sauber und mal wieder direkt am Wasser gelegen. Von hier unternahmen wir eine (überteuerte) Fahrt zu der Isla Magdalena, auf der in den Sommermonaten tausende Pinguine leben. Es war sehr toll, die Pinguine so nah und in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Auf der Rückfahrt konnte ich erneut einen Delphin entdecken und außerdem einen Wal, beziehungsweise das Wasser, das aus seinem Rücken kam, wuhu.
Kurz vor Weiterfahrt nach Puerto Natales, Chile, von wo aus wir ursprünglich den bekannten Nationalpark Torres Del Paine besuchen wollten, bemerkte ich ganz zufällig, dass wir den Rückflug (der unserer Meinung nach nur noch 5 Tage vor uns lag) aus Versehen für den Februar gebucht hatten, statt für den Dezember. Durch die Mithilfe unserer Mitfreiwilligen in San Marcos, konnten wir diesen Fehler aber mehr oder weniger schnell beheben, mussten aber den Abflug um zwei Tage vorziehen. Wir ließen aus zeitlichen Gründen also den Nationalpark Nationalpark sein und fuhren zurück nach Argentinien nach El Calafate. In der Stadt wimmelte es vor ausländischen Touristen und die meisten waren mit Wanderausrüstung ausgestattet. Die Stadt liegt am See Argentina und ist nicht weit vom Parque Nacional Los Glaciares entfernt. Von El Calafate dort unternahmen wir einen Tagesausflug nach El Chaltén (das Wanderparadies Argentiniens, für das man sich eigentlich viel mehr Zeit nehmen könnte oder sollte!). Wir wanderten dort zu einem schicken Gletschersee, könnten aber aufgrund einer fiesen Wolke kein besonders schönes Panorama genießen. Wir fuhren nicht im normalen Reisebus, sondern in einem kleinen Transporter und hörten während der Fahrt die herrliche Musik des Fahrers (ich sag nur Cheri Cheri Lady), weshalb ich die Hin- und Rückfahrt fast genauso genossen habe, wie die Wanderung selbst.
Des Weiteren besuchten wir den Gletscher Glaciar Perito Moreno. Wir hatten den perfekten Nachmittag abgepasst und konnten bei strahlendem Sonnenschein den mächtigen Gletscher bewundern. Der Gletscher ist eines der bedeutendsten Touristenziele des Landes und das auch wirklich nicht ohne Grund. Stege ermöglichen es, sehr nah an den Gletscher heranzukommen und durch Treppen kann man das Eis aus verschiedenen Ebenen und Perspektiven ansehen. Mit Glück kann man auch beobachten, wie Eisstücke vom Gletscher abbrechen. Alle paar Minuten donnerte es also, wie bei einem Gewitter, und Eis stürzte in den türkisen Gletschersee.

Der Gletscher sollte eigentlich der Abschluss unserer Reise sein, am nächsten Mittag wollten wir dann über Buenos Aires zurück nach Córdoba fliegen. Da machte uns Argentinien leider einen Strich durch die Rechnung: Aufgrund eines Generalstreiks fielen für zwei Tage sämtliche Flüge und Busfahrten im gesamten Land aus, inklusive unseres neugebuchten Flugs. Glücklicherweise erfuhren wir dies noch am Tag vorher, sodass wir am nächsten Tag frühzeitig am Büro unserer Fluglinie standen und letztendlich “nur” drei Stunden auf ein Gespräch warten mussten. Einen neuen Flug zu finden, der uns noch pünktlich zu Weihnachten nach Hause gebracht hätte, stellte sich als unmöglich heraus. Uns blieb letztendlich nur übrig, eine weitaus längere Strecke zu nehmen, indem wir mit dem Bus 26 Stunden nach Bariloche fuhren und von dort aus dann mit dem Flugzeug nach Córdoba zurückkehrten. Es war jedenfalls eine herrliche Erfahrung die Auswirkungen eines Generalstreiks so hautnah mitzubekommen, das erlebt man ja auch nicht alle Tage!
Wir waren letztendlich jedenfalls umso glücklicher, wohlbehalten, wenn auch mit drei Tagen Verspätung, wieder im Heim anzukommen und ich freute mich schon sehr auf die kommenden Feiertage.
Trotz des etwas anstrengenden Abschlusses war es eine sehr schöne Reise mit sehr beeindruckender Natur. Ich habe jetzt noch mehr Lust bekommen eines Tages mit dem Auto durch Argentinien zu fahren. Die Straßen sind einfach endlos und viele Orte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar. Besonders beliebt ist die Ruta Nacional 40, die einmal quer durch Argentinien, also auch durch sämtliche Klimazonen, führt. Mal sehen…

Liebste Grüße!

Navidad und Año Nuevo

Holla, wie schnell die Zeit vergeht! Höchste Zeit, dass ich noch von unseren Feierlichkeiten in Argentinien berichte:

Anders als für den Sommerurlaub, wurde die Vorbereitung für Weihnachten erst ganz knapp vor dem Ereignis gestartet. Die Tage vorher trudelten immer mehr Gäste ein, die mit uns im Heim Weihnachten verbringen wollten.
Wir hatten sogar einen schicken Tannenbaum, der erstaunlicherweise sogar schon fast 2 Wochen vor Weihnachten im Salon platziert wurde.
Kurz vor dem 24. Dezember wurden dann ein paar bunt blinkende Lichterketten und andere weitere Dekoelemente im Salon (Wohnzimmer) und im Comedor (Esszimmer) installiert und den Vormittag des Heiligabend nutzte die Mutter des Chefs, um dem Ganzen noch einen Feinschliff zu geben. Der Weihnachtsbaum, der bisher nur “dezent” geschmückt war, wurde nun mit sämtlichen Kugeln und Figürchen beladen, sodass man letztendlich nur noch wenig vom eigentlichen Plastikbaum sah. Parallel wurde natürlich auch das Festessen vorbereitet, die Tafel gedeckt und die Festkleidung herausgesucht. Nach dem Duschen hatten also alle Kinder ihre schönsten salir-Outfits an und waren bereit für die Feier. Übrigens waren über die Feiertage viele Kinder gar nicht Heim, da sie für diese Zeit in Familien untergebracht wurden. Es waren am Ende also viel mehr andere Gäste im Heim, als Kinder.
Wir aßen dann jedenfalls sehr lecker und schnell war es auch schon Mitternacht. Daraufhin begaben wir uns alle nach Draußen, um anzustoßen und ein kleines Feuerwerk zu betrachten. Währenddessen kam Papa Noel für die Kinder und hinterließ Geschenke, die daraufhin natürlich ausgepackt und ausprobiert wurden. Wir Älteren hatten untereinander gewichtelt, sodass jeder nur ein Geschenk für den amigo invisible (unsichtbaren Freund) besorgen musste.
Anschließend wurde gespielt und geklönt und viel getanzt, um traurige Gedanke zu vertreiben. Als wichtige Tradition gilt in Argentinien der Obstsalat (ensalada de frutas), der vorher in großen Mengen produziert und nachts dann gegessen wurde.
Hier ist es außerdem üblich, an Heiligabend auszugehen. Dadurch, dass wir aber so sehr mit den Kindern beschäftigt waren, war es letztendlich schon zu spät für die Konzerte, die im ganzen Dorf stattgefunden hatten, sodass wir dann nur noch die Kinder ins Bett brachten und anschließend zur Espina (Dorn) fuhren, um dort den Sonnenaufgang anzusehen. Es handelt sich dabei um einen der zwei Aussichtspunkte des Dorfes, an dem ein Monument in Form eines Dorns steht. Ich hatte meine Ukulele dabei und dann wurde es wirklich ein sehr entspannter Beginn des Tages.
Weihnachten war insgesamt dann auch so schnell wieder vorbei, wie es gekommen war.

An Silvester war der ganze Besuch schon wieder weg, trotzdem wurde wieder schicke Kleidung herausgesucht und mit allen gemeinsam an einer großen Tafel gespeist. Dann gab es wieder eine Party und die Kinder sind lange, lange wach geblieben. Wir Freiwilligen sind dieses Mal danach doch noch ins Dorf gegangen, wo auch ordentlich etwas los war, jedoch wurde es schnell frisch und es begann stark zu regnen, weshalb es in den Außenbereichen ungemütlich nass wurde und im Innenbereich ungemütlich eng und stickig. Der Abend endete also relativ schnell für uns, año nuevo soll aber sozusagen der Startschuss für die Sommersaison in San Marcos sein. Das ganze Dorf ist jetzt voll mit Touristen, die meisten davon sind Hippies oder möchte-gern-Hippies und jeden Tag gibt es viele Veranstaltungen an verschiedenen Orten des Dorfes. Die Hitze macht mich ab und zu schon ein bisschen fertig, aber ich freue mich trotzdem sehr auf die nächsten Sommermonate.
Am Morgen des 6. Januar gab es für die Kinder noch einmal Geschenke, die die Drei Könige in ihre Schuhe gesteckt hatten. Am Sonntag kam dann wirklich die Heiligen Drei Könige. Es gibt hier so einen Motorradverein, der sich für soziale Projekte engagiert. Mit lautem Hupen fuhren ungefähr 20 Motorräder auf den Hof, angeführt von den Königen. Sie brachten viele Geschenke, Süßigkeiten und Essen für die Kinder mit und beschäftigten sie den Tag über mit Spielen, Tänzen, Clowns und einem Theaterstück.

Für mich war Weihnachten und die Zeit drumherum natürlich ganz anders, als ich es aus Deutschland gewohnt bin, aber trotzdem wirklich etwas Besonderes. Mir fehlten die Vorweihnachtszeit und die “Kälte”, um ernsthaft in Weihnachtsstimmung zu kommen, aber es war echt schön mit den Kindern zusammen zu feiern und kennenzulernen, wie hier alles abläuft.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass ihr auch alle schöne Weihnachtstage hattet und anschließend gut ins neue Jahr gestartet seid.
Sueeeerrrteee!!

Schöne Tage am Atlantik

Ende November war es endlich soweit: Wir fuhren mit dem ganzen Heim und auch den Heimen aus Rumipal und Salsipuede, die wir im September bereits besucht hatten (ich berichtete), nach La Lucila del Mar ans Meer. Dort sollten wir in einem Häuserkomplex eine Woche direkt am Strand leben und den Kindern eine schöne Zeit bereiten. Für die meisten ist es der einzige Urlaub im Jahr und einige hatten vorher sogar noch nie das Meer gesehen. Die Vorbereitungen in unserem Heim begannen schon Wochen vorher, da für die ungefähr 30 Kinder die schönsten Klamotten herausgesucht werden musste. Dafür mussten wir viel im Kleiderschuppen (von Ina Kammer des Schreckens getauft) suchen, wo die Kleidung gelagert ist, die gerade nicht benötigt wird. Die Taschen waren alle rechtzeitig gepackt, nur wir unorganisierten Deutschen mussten in der Nacht vorher noch schnell unsere sieben Sachen zusammen sammeln.

Ich werde hier oft für meine helle Haut belacht und muss mich fast täglich einem Armbräunevergleich unterziehen. Um mich zu trösten, wurde mir dann erzählt, dass ich am Meer sicherlich genauso braun werden würde, wie die tía Sarah (meine Mitfreiwillige, die man (aus meiner Sicht) auch für eine Südamerikanerin halten könnte). Ich freute mich also nicht nur darauf, endlich das Meer wieder zu sehen, sondern hatte im Hinterkopf die Hoffnung, dass, aus welchem Grund auch immer, meine Haut nun erstmalig knackig braun werden würde.

Als es dann also losging, machten wir es uns gemeinsam mit den Kindern im Doppelstockbus bequem und es wurde während der 12-stündigen Fahrt viel Musik gehört, geschlafen und Mate getrunken. (Es gibt übrigens an jeder Raststätte Münzautomaten, an denen man sich die Thermoskannen mit heißem Wasser auffüllen kann.)

Außerdem konnte ich besonders kurz vor Ende der Fahrt sehr, sehr viele besondere Vöglis erspähen, die auf den endlosen Wiesen am Straßenrand standen. (Störche, Falken etc.)

Unsere Unterbringung war quasi eine große Jugendherberge, die im Wald, zwei Minuten vom Strand entfernt, gelegen war. Es gab einen großen Gemeinschaftssaal und eine Küche. Die Mitarbeiter des Heims in Salsipuede hatten sich fast für jeden Tag ein Programm überlegt und so vergingen die Tage, wie im Flug. Vormittags fanden Spiele statt, nachmittags gab es meist Freizeit am Strand. Abends gab es mal Kino, einen Abend am Feuer, einen Talentabend, einen Strandspaziergang zur nächsten Kleinstadt und einen Tanzwettbewerb, den Ina und ich mit unserer Hip-Hop-Gruppe natürlich souverän gewannen. Während der Zeit hatte eine unserer chicas ihren 15. Geburtstag, was hier in Argentinien für die Mädchen der wichtigste Geburtstag ist, da sie dann sozusagen zur Frau werden. Der Geburtstag wird also normalerweise richtig groß gefeiert und deshalb haben wir ihren Geburtstag dann auch kräftig zelebriert. Der ganze Saal wurde geschmückt, es gab ein Festessen, eine große Torte und eine richtige Zeremonie. Das Geburtstagskind hatte extra ein langes Kleid, eine Krone und hohe Schuhe bekommen und wurde dann vorne zu einem großen Tisch mit ihren Geschwistern geführt. Später haben wir ihr Kerzen übergeben und dazu Dinge gewünscht. Anschließend gab es dann eine Party bis in die Nacht.

Mir hat der Urlaub insgesamt richtig gut gefallen, auch wenn es für uns tíos ja kein richtiger Urlaub war, da wir mit Kindern in 10er Zimmern übernachteten und letztendlich wenig Zeit zur Entspannung hatten.

Der Ort an sich war auch echt sehr schön: wir waren etwas abseits vom Dorf, deshalb war der Strand fast menschenleer und kaum bebaut. Die Wellen waren eigentlich jeden Tag ziemlich hoch, entspannt schwimmen war also nicht möglich und ich hatte ein bisschen Angst, wenn die Kinder einfach ohne Aufsicht baden waren (da war ich aber scheinbar die Einzige). Es ist aber nichts passiert!

Wir hatten auch gar nicht so ein heißes Wetter, wie erwartet. Die Sonne schien zwar fast jeden Tag, doch durch den Wind und auch abends brauchte man mindestens 1-2 Pullover. Am Strand sind wir natürlich auch mal in Badesachen herumgelaufen und so wurden viele Kindern schnell zu negritos (Schwärzchen haha), während ich vergeblich auf die erste Bräune wartete. Letztendlich bin ich bestimmt doch auch ein bisschen gebräunt, man merkt das nur nicht so gut, wenn alle anderen noooooch brauner werden…

Viel zu schnell war die Zeit dann auch schon wieder um und es ging mit schönen Muscheln und zahlreichen Erinnerungen im Gepäck zurück ins heimatliche San Marcos Sierras.

Kurztrip nach Buenos Aires

Nachdem zwei meiner Mitfreiwilligen begeistert aus ihrem Buenos Aires Urlaub zurückkehrten, nutzte ich spontan die Chance, mich für mein Geburtstagswochenende an Inas Wochenendtrip in die Hauptstadt anzuschließen.
Ungefähr jede Person, die man hier trifft, kann einem etwas über Buenos Aires erzählen: die einen sind begeistert von der Lebendigkeit und dem Trubel der Großstadt, die anderen raten total davon ab und meinen, dass die Leute dort alle loco (verrückt) sind. Wir waren also mal wieder gespannt und starteten motiviert in die 12-stündige Busfahrt. Dieses Mal waren unsere Plätze leider etwas unbequem und wir froren ziemlich, sodass wir relativ übermüdet ankamen. Trotzdem entschieden wir uns für eine dreistündige Stadttour, um die wichtigste Straße der Stadt kennenzulernen, an der viele interessante Gebäude stehen. Natürlich schlossen wir uns zur Übung der spanisch-sprachigen Führung an. Hierbei machte Ina leider etwas schlapp und auch ich wurde sehr müde, sodass wir uns daraufhin erst einmal auskurierten. An den folgenden Tagen ging es Ina aber deutlich besser, sodass wir einige Hotspots von Buenos Aires erkunden konnten. Wir besuchten die Avenida 9 de Julio (breiteste Straße der Welt, was nicht stimmt, aber jeder sagt) mit dem Obilisken, eine große Bücherei in einem alten Theater, das bunte Viertel La Boca (als Geburtsort des Tango bekannt), den schönen und riesigen Straßenmarkt in San Telmo (inklusive Tangovorführung), das hippe Partyviertel Palermo, den Hafen Puerto Moreno, der ein bisschen an die Hafencity in Hamburgo erinnert, einen Friedhof, auf dem die Särge in kleinen Häusern stehen und auch Evita begraben ist. Alle Sehenswürdigkeiten liegen recht nah beieinander, sodass die Stadt für mich eigentlich erst gar nicht so groß wirkte. Als wir aber weiter durch die Straßen gingen, die (wie hier überall) nach dem klassischen Kolonialstraßenplan (kariert) angeordnet sind, hatten wir das Gefühl, die Stadt hörte niemals auf. Außerdem ist echt zu jeder Tages- und Nachtzeit viel los, überall sind Leute und alles ist voller Autos. Ein Drittel Argentiniens Gesamtbevölkerung lebt in Buenos Aires und den umliegenden Städten: das sind etwa 14 Millionen Menschen, kein Wunder, dass da so viel los ist.

Mir gefiel Buenos Aires insgesamt echt erstaunlich gut, vor allem, da ich eigentlich eine hässliche Großstadt erwartet hatte. Stattdessen gibt es viele schöne Ecken und es erinnert tatsächlich ziemlich an eine südeuropäische Stadt. Im Vergleich zu Córdoba kleiden sich die Menschen auch deutlich europäischer.
Doch auch in Buenos Aires sind Ina und ich leider wieder ziemlich aufgefallen, da hilft auch die mentale Anpassung an die argentinische Kultur nicht. 😉

Wir kehrten jedenfalls mit vielen neuen Eindrücken nach San Marcos zurück und verbrachten dort von da an bei heißem Frühlingswetter fast jeden Tag am Pool oder Fluss.

Ich genieße es auf jeden Fall sehr, nicht in einer Großstadt, sondern im kleinen Dörfchen zu wohnen, werde aber trotzdem noch einmal nach Buenos Aires zurückkehren (müssen), um nämlich mein Visum zu verlängern. Bei Interesse werde ich dann noch mehr Hintergrundwissen über die Stadt auspacken, da gibt es theoretisch einiges!
Saludos!!

Castellano

Ich habe beschlossen, dass es an der Zeit ist, euch die argentinische Kultur ein bisschen näher zu bringen. Ihr habt jetzt ja schon relativ viel darüber erfahren, was ich so den lieben langen Tag mache, vom Land selbst dagegen erst recht wenig. Ich werde euch also zwischendurch die verschiedenen Facetten der argentinischen Kultur vorstellen, beziehungsweise meine Wahrnehmung davon.
Zunächst beginne ich jetzt damit, euch soweit es geht über die argentinische Sprache aufzuklären.
Natürlich spricht man hier Spanisch, es ist jedoch eine abgewandelte und etwas merkwürdige Art. Das erste, was man wissen sollte, ist, dass die Sprache hier meistens nicht Español, sondern Castellano genannt wird. Das hat, glaube ich, den Grund, dass Español nicht erklärt, um welche spanische Sprache es sich handelt. Jedenfalls bin ich hier mit dem Schulspanisch schon ganz gut unterwegs, obwohl es in der Aussprache relativ große Unterschiede gibt, durch die ich am Anfang etwas verwirrt war. Außerdem bin ich selbst jetzt noch dabei, die grammatikalischen Unterschiede zu durchsteigen, da gibt es nämlich auch einige.
Wie ich recherchiert habe, wird vor allem in Argentiniens, aber auch in anderen Ländern Südamerikas, das sogenannte Castellano rioplatense gesprochen. Das ist ein umfangreicher Dialekt des ursprünglichen Spanisch, der dann die auffälligen Unterschiede erklären würde.
Beginnen wir mit der Aussprache: In der Schule haben wir das akzentfreie “Hochspanisch” gelernt. Danach spricht man Mallorca „Majorca“ aus und Yo me llamo… (Ich heiße…) „ Jo me jamo…“. Hier sagt man jedoch „Maschorca“ und „Scho me schamo“: Y und Doppel-L werden demnach nicht wie J sondern wie ein Sch ausgesprochen. Ich weiß nicht, ob man sich das vorstellen kann, aber anfangs hörte sich das für mich super komisch an und ich musste immer ein paar Sekunden länger überlegen, um zu verstehen, welches Wort gemeint war. Inzwischen habe ich mich aber schon komplett an die neue Aussprache gewöhnt, sodass ich die Wörter, wenn ich etwas lese, auch schon mit Sch denke.
Übrigens gibt es natürlich auch noch regionale Unterschiede: In Buenos Aires spricht man das Sch nämlich deutlich intensiver aus, als in Córdoba, wo wir wohnen. Außerdem gibt es hier noch den Dialekt Cordobes, den einige Kinder im Heim sprechen und dann nicht das Doppel-L und Y wie Sch aussprechen, sondern stattdessen das R. Dadurch wird ropa (Kleidung) zuschopa“ und perro (Hund) zu „pescho“. Ich finde diesen Dialekt super witzig und habe mir auch schon angewöhnt, so mit einigen Kindern zu reden, was meine Skills ja wohl beweist. Haha!

Die grammatikalischen Unterschiede sind noch etwas schwieriger zu erklären:
Das auffälligste und bekannteste ist wohl, dass man niemals (du) sagt, sondern stattdessen immer vos (eine sehr altmodische Form aus der Kolonialzeit, abgewandelt von vosotros (ihr)). Deshalb benutzt man im Präsens auch nicht die -Form, sondern die vosotros-Form und streicht das i (sabéis wird zu sabés). Die vosotros-Form benutzt man dagegen gar nicht, sondern man nutzt die dritte Person Plural, also eigentlich sie, aber sagt ustedes. Das ist quasi die Höflichkeitsform im Spanischen, also so, als würde man die Leute siezen. Man sagt: “Ustedes van a la playa?” (Gehen Sie an den Strand?) statt “Vosotros váis a la playa?” (Geht ihr an den Strand?).
Das c und z wird übrigens, wie auch in ganz Südamerika (?) nie gelispelt, sondern immer, wie ein scharfes s ausgesprochen, was das Schreibenlernen natürlich erschwert, da man bei vielen Wörtern vom Hören nicht sagen kann, welcher der drei Buchstaben (s,z,c) vorkommt.
Außerdem gibt es auch noch einige Vokabeln, die man nur in Argentinien benutzt, wie beispielsweise Begriffe für Kleidungsstücke. Zudem ist mir aufgefallen, dass ungefähr jedes zweite Wort verniedlicht wird, egal, ob es in diesem Zusammenhang passt oder nicht, indem ein -ito/a angefügt wird. Darüber freue ich mich auch immer wieder sehr und mache gerne mit!

Jetzt kann man sich bestimmt vorstellen, dass das ganze etwas verwirrend und ungewohnt ist, wenn man vorher nur das spanische Spanisch gehört hat. Die Kinder sprechen natürlich auch nicht besonders langsam und haben teilweise eine sehr undeutliche Aussprache. Trotzdem konnte ich mich eigentlich gut an alles gewöhnen und lasse mich nun kaum noch von den sprachlichen Unterschieden stören.

Ich hoffe man konnte meine tolle Erklärung ganz gut verstehen. Vielleicht habe ich noch ein paar merkwürdige  Eigenschaften der Sprache vergessen, die ich dann aber sicherlich irgendwann später noch einbringe.

Ich sage chao!

Wie die Profis in Salta und Jujuy

Innerhalb des Jahres haben wir Freiwilligen 24 Urlaubstage, die wir natürlich alle dazu nutzen möchten, durch Reisen das Land und die Kultur besser kennenzulernen. Letzte Woche machte ich mich also mit meiner Mitfreiwilligen Ina auf zu meiner ersten Reise. Wir hatten uns als Ziel den Norden Argentiniens ausgesucht, genauer gesagt die Provinzen Salta und Jujuy. Der Norden ist die Region des Landes, in der die meisten Nachfahren indigener Gruppen leben. Außerdem freuten wir uns auf eine schöne Landschaft, von der uns schon viel erzählt wurde.

Wie wahre Argentinier hatten wir für unsere Reise außer den Zielen nichts vorbereitet. Das Busnetz in Argentinien ist sehr gut ausgebaut, weshalb man in jeder größeren Stadt einfach zum Terminal gehen kann und sich dort an einem der zahlreichen Schalter ganz leicht ein Ticket für den nächsten Bus sonst-wo-hin buchen kann. 13 Stunden dauerte die Fahrt von Córdoba nach Salta, was allerdings schlimmer klingt, als es ist, da es in eigentlich jedem Bus sogenannte cama(Bett)-Plätze gibt, die wirklich bequem sind und man dadurch gut ein paar Stündchen schlummern kann. Außerdem wird man je nach Buslinie auch mit Essen versorgt: Wir konnten uns über ein leckeres Snackpaket mit Käse-Schinken-Burger, Kräcker, ein Zuckergetränk und Butterkekse freuen.
Die Stadt Salta gefiel uns beiden sehr gut! Es fahren zwar viele, viele Autos und die Straßen sind relativ eng und dreckig, dafür punktet Salta aber mit einem schönen Zentrum und einem Wanderweg zu einem Aussichtspunkt über die ganze Stadt. Der typische Platz, den Salta, aber auch jede andere argentinische Stadt besitzt, ist mit vielen Palmen bepflanzt und von schicken Gebäuden umgeben. Wir besuchten die riesige Kathedrale und das Museum, in dem drei Kindermumien ausgestellt werden, die vor ca. 500 Jahren von den Inkas auf dem Vulkan Llullaillaco (Schuschaischaco) geopfert wurden. Vor wenigen Jahrzehnten fanden Bergsteiger und Archäologen Opferstätten auf dem Vulkan und kurze Zeit später wurden auch drei Kinder ausgegraben, die durch die Kälte so gut konserviert wurden, dass sie jetzt noch so aussehen, als würden sie jeden Moment aufwachen. Es wird immer nur ein Kind ausgestellt, bei uns handelte es sich um einen ungefähr 6-jährigen Jungen, der mit Federn und Schnüren geschmückt war und im Schneidersitz saß, geopfert wurden angeblich die besonders schönen Kinder. Es war jedenfalls ziemlich beeindruckend, aber auch gruselig dieses Kind anzuschauen. Generell haben wir durch die Ausstellung aber gut etwas über die Inkas gelernt, auch wenn wir aus irgendwelchen Gründen meinen heiligen Übersetzer nicht zum Übersetzen der spanischen Texte nutzen durften…
Pünktlich zum Sonnenuntergang machten wir uns dann auf zum Aussichtspunkt, den man entweder mit einer Gondel, mit dem Auto oder zu Fuß erreichen kann. Selbstverständlich haben wir uns für die kleine Wanderung vorbei am Guelmes-Denkmal entschieden, die zwar länger und anstrengender war, als erwartet, aber sich letztendlich wirklich gelohnt hat! Man hat von oben einen genialen Blick über die Stadt und kann den Sonnenuntergang über den Bergen ansehen und später beobachten, wie langsam alle Lichter in den quadratischen Straßen angehen. Es war echt wunderschön! Schade nur, dass Ina ihr Mate-Zeug aus Platzgründen leider nicht mitgenommen hatte. Übrigens wurden wir von den Argentiniern auf der Aussichtsterrasse direkt als Holländer enttarnt.
Unser nächstes Ziel sollte der Nationalpark Caliliegua sein, ein subtropischer Bergnebelwald, der mit seiner großen Artenvielfalt lockt. Wir standen sehr früh auf, damit wir viel Zeit zum Wandern im Park am Rand der Anden hatten. Die Anfahrt war nämlich relativ kompliziert, da der Park anscheinend nicht der größte Touristenmagnet ist. Wir stiegen in etwas merkwürdigen Städten um, in denen wir blonde chicas uns fast wie Außerirdische fühlten. Der Nationalpark war letztendlich leider auch kein wirklicher Erfolg. Bei starker Hitze stapften wir mit unseren großen Rucksäcken durch den ziemlich hoch gelegenen Wald, überquerten den Fluss mit eleganten Sprüngen, kämpften uns durch Mückenschwärme und hielten währenddessen die ganze Zeit Ausschau nach Jaguaren, Pumas, Tukanen und Schweinchen. Die einzigen Tiere, die wir letztendlich gesehen haben, waren ein paar schöne Schmetterlinge, eine kleine Eidechse und schwarz-gelbe Vögel, die Inas Apfel aus der Hand geklaut haben. Wir wurden dann hundemüde netterweise von einer Familie mit nach San Salvador de Jujuy mitgenommen, von wo aus wir nach Purmamarca weiter fuhren. Im Bus lernten wir einen Spanier kennen, durch den wir feststellten, wie ungewohnt uns das spanische Spanisch inzwischen schon vorkommt. Das Dorf Purmamarca, das zu der Schlucht Quebrada de Humuhuaca gehört, ist zwar touristisch, aber dennoch sehr schön und ursprünglich. Wir trafen zufällig einen Chilenen auf der Straße, der uns daraufhin mehrmals in sein Restaurant zum Essen mit seinen Freunden einlud (sogar zum asado!). Von Purmamarca aus haben wir uns einer kleinen Touri-Fahrt zu den Salinas Grandes angeschlossen und konnten nachdem wir uns dreist die Premium Plätze ganz vorne im Transporter geschnappt hatten, bei einer ungefähr einstündigen Fahrt zu der Salzwüste, wunderschöne Landschaft und llamas (ausgesprochen Schamas) betrachten. Die Wüste liegt auf 3500 Metern und ist ernsthaft beeindruckend. Salz, soweit das Auge reicht und zwischendurch eckige Becken mit türkisem Wasser. Zurück in Purmamarca ließen wir uns von einem Einheimischen noch einen Ort zeigen, von dem man auf das süße Dorf vor dem Berg der sieben Farben schauen kann. In der ganzen Quebrada de Humuaca gibt es aufgrund von Metalleinlagerungen (wie uns ein Goldschmied erklärte) bunte Berge, aber am schönsten ist angeblich der Hügel in Purmamarca, den wir dann auch noch bei einer kleinen Wanderung umrundeten.
Wir schlenderten abends auch noch durchs Dorf und kauften die einen oder anderen Schätze auf dem großen Touri-(Abzocker?)-Markt im Zentrum.
Unser nächstes und letztes Ziel war Tilcara, ein bisschen nördlicher, aber auch noch in der Quebrada de Humuhuaca gelegen. Dort schauten wir uns zunächst die Pukará Ruinen an, die auf einem Hügel neben dem Dorf liegen. Die kleinen Steinhäuser mit Kakteenholz als Dachbalken waren wirklich faszinierend, jedoch war ich viel mehr von den tausenden Kakteen begeistert, die auf dem ganzen Hügel wachsen. Ich glaube Ina hat sogar fast verstanden, wie toll ich die Kakteen finde, nachdem ich ihr ungefähr 3000-mal erzählt hatte. (Die waren aber auch einfach riesig und grün und überall!!!) Außerdem schlenderten wir auch in Tilcara über den Touristen-Markt, kauften sehr, sehr leckere, argentinische Berliner und aßen in einer sehr chilligen Bar eines Typis, der uns viel über argentinische Musik erzählen konnte. Abends merkte ich, dass ich mir während der Ruinenbesichtigung leider den stärksten Sonnenbrand meiner Geschichte geholt hatte und durch eine allergische Reaktion (?) dann kaum noch laufen konnte. Trotzdem entschieden wir uns am letzten Tag noch schlauerweise in der Mittagshitze zur Garganta del Diablo (Teufelsschlucht) zu wandern. Der Weg war komplett in der Sonne, meine Beine zwiebelten und wir waren uns die ganze Zeit nicht sicher, wie lange wir noch gehen müssen. Letztendlich sind wir glaube ich nicht bis zum schönsten Teil der Schlucht gekommen, konnten allerdings von oben hineinschauen, bevor wir uns auf den Rückweg ins Dorf machten. Dann mussten wir uns auch schon zum Terminal begeben, um den Rückweg nach Córdoba über Salta anzutreten. Eine schöne Überraschung war, dass wir im Bus oben ganz vorne Plätze gebucht hatten und dadurch die Quebrada noch einmal von ihrer schönsten Seite betrachten konnten.

Insgesamt war es eine sehr abwechslungsreiche Reise mit viel Höhentraining und wenig Ruhe. Wir hatten viel, viel Spaß wie Abenteurerinnen jeden Tag woanders zu sein und hätten gut noch ein paar Wochen so weiter machen können. Wir waren auch sehr stolz darauf, wie perfekt einfach alles funktioniert hat, obwohl wir nichts geplant hatten.
Die Landschaft im Norden hat uns wirklich, wirklich beeindruckt! Wie eine andere Welt, die mit gutem Grund von vielen Touristen besucht wird. Trotzdem behalten die Orte auf jeden Fall ihre Authentizität und die Einheimischen empfangen sicherlich nicht nur uns so herzlich und aufgeschlossen.
Auch wenn es insgesamt nur eine Woche war, die wir in Salta und Jujuy verbracht haben, haben Ina und ich einfach so viel gesehen, erlebt und entdeckt, dass wir ohne Frage zu wahren Travellern geworden sind. Ein wahrer Traveller beschwert sich nämlich nicht über zu schwere Rucksäcke, freut sich über Bekanntschaften mit Einheimischen, kriegt spontan den besten Bus zum Schnapperpreis, genießt den Ausblick mal mit und mal ohne Fotosession, handelt auf dem Markt bis es ein regalito (Geschenkchen) dazu gibt, schmiert sich Brote mit Miniaturtaschenmessern und entdeckt die schönsten Orte, die auf Fotos leider gerade einmal halb so lindo aussehen.
Jetzt sind wir jedenfalls zurück in San Marcos und ich freue mich nun umso mehr, in den nächsten Monaten weitere Teile des Landes zu erkunden.