Das Leben in San Marcos Sierras

Ich bin für meinen Freiwilligendienst in dem kleinen, argentinischen Dorf San Marcos Sierras in der Provinz Córdoba gelandet. Es liegt ca. 150 km von der Stadt Córdoba entfernt und ist besonders im Sommer ein beliebtes Touristenziel für Menschen aus der Provinz oder auch aus ganz Argentinien.

Das Zentrum des Dorfes bildet die plaza. Es ist quasi ein Mini-Park mit einem Spielplatz, vielen Statuen und logischerweise einem Platz in der Mitte, der auch eine Bühne hat, wo dann zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. Um den Block der plaza herum befinden sich die meisten Restaurants des Dorfes, es gibt beispielsweise ein Restaurant, wo im Hinterhof oft Folklore getanzt wird, aber auch ein Pizzeria oder eine Eisdiele. Dort befindet sich auch die kleine, momentan beige Kirche und es gibt einige urige Geschäfte.

An der plaza führt an jeder Seite eine Straße vorbei: Eine davon ist die Hauptstraße des Dorfes, an der sich weitere Geschäfte befinden und die dann bis zur Ruta führt. Eine andere führt zum Fluss und durchquert diesen auch, was bedeutet, dass alle Autos und Motorräder immer durch das Wasser fahren müssen, um auf die andere Seite zu gelangen. Für alle anderen gibt es eine kleine Fußgängerbrücke. Auf der gleichen Straße, aber auf der anderen Seite der plaza, wird fast jedes Wochenende die feria aufgebaut: bis zu 40 Verkäufer können dort dann ihre Waren anbieten, das sind beispielsweise Traumfänger, Honig, selbstgemachter Schmuck, Räucherstäbchen oder bunte Kleidung. Diese Märkte gibt es übrigens in fast jeder argentinischen Stadt.

Nahe der plaza gibt es auch noch ein paar kleine Supermärkte, die aber alle sehr ursprünglich und persönlich sind, für einen “richtigen” Supermarkt muss man in die nächste Stadt Cruz del eje fahren, dahin gibt es stündlich einen Bus.

Am Fluss befindet sich auch noch ein kleiner Platz, wo dauerhaft ein paar Essensstände stehen, die an manchen Wochenenden öffnen. Drumherum wird manchmal noch eine weitere Feria geöffnet, die aber deutlich kleiner ist. Am Fluss stehen viele Bäume, die für schöne Schattenplätze sorgen. An warmen Tagen tummelt sich das halbe Dorf dort und alle trinken Mate, machen Musik oder entspannen in der Sonne. Ab und zu kommen Leute vorbei, die selbstgebackene Leckereien oder Armbänder anbieten. Wenn man eine Weile am Fluss entlangläuft, wird es sehr schnell deutlich unberührter, grüner und ruhiger. Man befindet sich dann hinter dem Berg, auf dem sich das weiße Kreuz befindet. Zu dem Kreuz führt von der plaza aus ein kleiner Wanderweg und man hat von oben einen herrlichen Blick über das Dorf und die ganze Region. Besonders zum Sonnenuntergang kann man dort oben eigentlich immer jemanden antreffen.

Im Dorf gibt es insgesamt auch noch ganz viele Hostels, Campingplätze und Bungalows, die vor allem in den Sommerferien ihren Nutzen finden. Außerdem gibt es einige Bars, in denen jedes Wochenende Bands auftreten. Man müsste die Bars aber eher wie eine Mischung aus Restaurant, Bar, Club und Konzertraum beschreiben. Es werden immer auch empanadas, Pommes und Pizza angeboten und nachdem die Bands um 2 oder 3 Uhr fertig sind, kommt meistens ein DJ und die fiesta geht weiter. Das Nachtleben hier ist aber sicherlich nicht komplett typisch argentinisch, sondern vor allem durch die Hippies geprägt. Das Musikangebot ist vielfältig, aber Reggaeton kann man hier nur sehr selten finden. Stattdessen gibt es Rock Nacional, Cumbia, Cuarteto, Reggae und Folklore. Selbst im kleinen Dorfclub wird eigentlich jedes Lied mit dem Cumbiabeat gespielt.

In der einen Bar, die aber allerdings fast nur im Sommer geöffnet ist, gibt es noch ein kleines Open-Air-Theater, in dem im Sommer zweimal wöchentlich nachts ein “Varieté-Spektakel” stattfand. Das waren dann kleine Sketche, abgewechselt mit akrobatischen Vorführungen, was immer sehr unterhaltsam war.

Wenn man sich ein bisschen vom Dorf entfernt, kann man noch einen weiteren Aussichtspunkt finden, wo ein großer Dorn steht. Der Dorn ist ein Symbol für die Gegend hier, weil es davon seeeehr viele gibt! Barfuß laufen ist also sehr schwierig und wir müssen regelmäßig Dornen aus sämtlichen Schuhen (insbesondere Crocs) entfernen. Fast jeder einheimische Baum hat in irgendeiner Art Stacheln und dann gibt es auch noch zahlreiche Diesteln und Kakteen. Das Symbol ist also gar nicht schlecht gewählt. Von dort oben kann man auch bis zum Río Quilpo sehen, dem Fluss, der ein beliebtes Ziel für alle Dorfbewohner und -besucher ist. Man kann dort herrlich wandern, entspannen und schwimmen gehen. Es ist sehr idyllisch und das eine oder andere Mal habe ich schon Schildkröten gesichtet.

Insgesamt hat das Dorf eigentlich echt alles, was man braucht, und ich fühle mich hier rundum wohl. Besonders gefällt mir die entspannte, bodenständige Stimmung und, dass man an jeder Ecke Künstler und Weltenbummler trifft.

Grüße Grüße Grüße

 

 

 

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Speis und Trank

 

Wenn man von der Kultur eines Landes redet, darf man wohl keinesfalls den kulinarischen Aspekt auslassen. Es gibt hier zwar einige Parallelen zu dem, was ich aus Deutschland gewohnt bin, aber dennoch kann man auch größere oder kleinere Unterschiede finden. Vorab gesagt, kenne ich ja außerdem vor allem das Essen aus Córdoba, was natürlich nicht komplett Argentinien widerspiegelt.

Frühstückstechnisch sieht es hier eher mickrig aus. Nach einem herzhaften Frühstück kann man lange suchen. Es gibt Kekse, medialunas (kleine, übersüße Crossaints) oder facturas (Blätterteigteilchen mit Pudding, dulce de leche oder Marmelade gefüllt). Brot und Brötchen sind hier grundsätzlich eigentlich nur die Beilage zu der jeweiligen Mahlzeit. Es gibt aber criollos (hat in jeder Gegend einen anderen Namen), das sind vielschichtige, würfelförmige Brötchen, die ich sehr lieben gelernt habe. Wenn man dann doch mal Aufstrich für irgendwas braucht, nimmt man hier dulce de leche (Karamellcreme), süße Marmelade oder sogenannte dulces (ein Gelee, meistens aus Feigen oder Süßkartoffeln). Dulce de leche geht aber eigentlich immer: auf Torten, auf Pfannkuchen, mit Banane oder im alfajor. Alfajores sind zwei kleine kreisförmige, dicke Kekse, die meistens dann, wie gesagt, mit dulce de leche zusammengehalten werden. Drumherum ist mal Schokolade oder Kokosraspeln oder, oder, oder… Da gibt es die verschiedensten Variationen.

Zur merienda, der vierten Mahlzeit, die auch kein Argentinier auslässt, gibt es noch einmal ähnliche Sachen, wie zum Frühstück. Vielleicht ein Milchkäffchen mit zwei medialunas? Man nimmt die merienda immer so zwischen 17 und 18 Uhr zu sich. Kein Wunder, dass das Abendessen erst so spät stattfindet.

So wohl mittags als auch abends isst man gewöhnlich warm. Brot wird tatsächlich nur als Beilage gegessen… Die argentinische Küche ist offensichtlich sehr italienisch geprägt, es gibt überall Pasta, Pizza etc. Natürlich schmeckt es nicht genau wie in Italien, aber auf eigene Weise sehr lecker. Neben Nudeln wird auch viel mit Linsen, Reis und Kartoffeln gekocht. Nicht selten sind in den Soßen für Reis oder Nudeln Kartoffelstücke zu finden. Man mischt hier gerne alles als Eintöpfe zusammen, es gab auch schon Reis, Nudeln und Kartoffeln in einem Gericht. Ansonsten gibt es auch noch einen Maisbrei (polenta, stammt ursprünglich aus Italien) und es wird viel mit Kürbis gekocht. 🙂

Über die argentinische Fleischkultur könnte man wohl ganze Bücher schreiben, da kenne ich mich aber nur wenig aus. Hühnchen wird sehr gerne gegessen, ob gekocht, gebraten oder gegrillt, aber gehört nicht unbedingt zum typischen asado (Grillspektakel). Beim “normalen” asado (wie ich es kenne) beginnt man mit dem choripan, das ist quasi der argentinische Hotdog (obwohl es auch richtige Hotdogs gibt (panchos)). Der besteht aus einem Brötchen (pan) und einer chorizo (ähnelt eher einer Bratwurst, als dem italienischen Original) und dann kombiniert man es mit beliebigen Zutaten, meistens Tomate, Salat und Mayonnaise. Apropos Mayonnaise, das ist hier quasi die herzhafte Variante von dulce de leche– geht auch immer, beispielsweise statt Soße zum Reis.
Nach dem choripan kommt dann das weitere Fleisch, meistens vom Rind und, soweit ich weiß, nur mit Zitrone und Salz gewürzt. Jeder asador (Griller) hat, was das Fleisch angeht, seine eigenen Vorlieben und Spezialitäten. Nicht selten isst man das Fleisch dann einfach so pur, manchmal gibt es aber auch einen kleinen Salat oder die argentinische chimichurri-Soße dazu.
Das Grillen wird hier immer richtig zelebriert und ist auch ziemlich anders, als in Deutschland. Der Grill ist entweder eine große parrilla aus Stein oder besteht aus einem alten Fass. Wie ich es beobachtet habe, macht man dann etwas abseits ein Feuer und legt die heiße Kohle unter das Rost. Während der asador alles vorbereitet und grillt, sitzt dann die ganze Gruppe gewöhnlich mit dabei und schnackt, probiert und trinkt. Und auch wenn ich ja gar nicht so gerne Fleisch esse, bin ich für jedes asado zu haben, da mir die Atmosphäre einfach sehr gut gefällt!

Auf der Straße kann man neben choripan und panchos auch noch gut milanesa und empanadas kaufen. Milanesas sind dünne Schnitzel aus Rind und man kauft sie meistens als Sandwich im Brötchen. Empanadas gibt ja, soweit ich weiß, in ganz Lateinamerika, aber sind von Land zu Land ein bisschen anders. Hier in Córdoba sind die Teigtaschen gebacken (nicht frittiert) und die typischen Füllungen sind Schinken-Käse, Kürbis, Hackfleisch oder Spinat. In Salta gibt es angeblich die besten empanadas (allerdings frittiert), ich persönlich schmecke da aber kaum Unterschiede hahahaha.

 

Getränketechnisch hat Argentinien auch ein paar Klassiker zu bieten. Bei den Kindern ist jugo sehr beliebt. Das ist ein Saft, den man aber meistens erst zubereiten muss, indem man ein Pulver aus einem Plastiktütchen mit Wasser mischt. Das schmeckt meiner Meinung nach sehr künstlich und ist es wohl auch, aber ich habe mich inzwischen ganz gut daran gewöhnt, denn natürlichen Saft kann man kaum (bis gar nicht) finden.
Sehr stolz ist fast jeder Argentinier auf das alkoholisches Nationalgetränk, das angeblich aus Córdoba stammt. Es handelt sich dabei um den italienischen Fernet, gemixt mit Coca-Cola. Generell werden alle alkoholischen Getränke in ca. 1 Liter Gefäßen ausgeschenkt und man gibt den Becher oder die Flasche in seiner jeweiligen Runde herum, bis es leer ist.

Diese Gewohnheit erinnert uns nun natürlich direkt an das Matetrinken, nicht wahr? Mate ist ohne Frage das beliebteste Getränk in Argentinien. Kaum einer mag bzw. trinkt es nicht. Es ist quasi auch ein Gruppenzwang, denn Mate wird grundsätzlich immer und überall und meistens in Gruppen getrunken. Ich würde Mate jetzt als Tee beschreiben, aber jeder Kenner würde mir widersprechen, da es ja keinen Tee enthält. Außerdem ist Mate viel mehr als Teetrinken, denn es gibt tatsächlich Regeln dafür, die hier schon jedes Kind kennt, einem deshalb keiner erklärt, man aber trotzdem befolgen sollte.

Ein Mateset besteht aus einem speziellen Becher (mate, z.B. aus Kürbis, Holz oder Glas) mit einem Strohhalm aus Metall mit einem Sieb am Ende (bombilla), einer Thermoskanne und Behältern mit den getrockneten Yerbapflanzen (yerba) und Zucker, bzw. andere Süßungsmittel (bei Bedarf). Man kann Mate nämlich bitter (amargo) oder süß (dulce) trinken. Außerdem gibt es noch eine kalte Variante, bei der man das heiße Wasser mit kaltem Wasser oder jugo ersetzt (heißt dann tereré).
Kommen wir zur Zeremonie, haha. Traditionell sitzt man im Kreis und der Mensch, dem die Matesachen gehören, füllt Yerba in den Becher. Daraufhin wird der Becher mit Wasser aufgegossen und er trinkt den ersten Mate, der meistens noch relativ bitter ist. Anschließend gießt der Ausschenker es wieder auf und der rechte Nachbar trinkt. So geht es reihum. Jeder einzelne trinkt immer wirklich den ganzen Becher aus, bis durch den Strohhalm nur noch Luft kommt, und gibt den Becher zurück an den Ausschenker. Man bewegt den Strohhalm nicht und bedankt sich nicht, wenn einem der Mate gereicht wird, da ein gracias bedeuten würde, dass man aus der Runde aussteigt.
Ich glaube, das fasst die Mategeschichte ganz gut zusammen. Ich bin inzwischen ein kleiner Mate-Fan geworden. Es ist so praktisch, da man sich sowohl mit Freunden zum Matetrinken treffen oder auch mit komplett Fremden bei einem matecito ins Gespräch kommen kann. Alleine wirkt der Mate bei mir fast schon meditativ, jedenfalls sehr entspannend. Angeblich soll Mate das Hungergefühl nehmen und durch den Koffein auch wach machen.

Hoffentlich habt ihr jetzt schön Appetit bekommen und esst nachher ein Franzbrötchen für mich mit! ❤

Die Sommermonate

Ich melde mich zurück, um endlich, endlich ein bisschen über das erste Viertel aus 2018 zu berichten… Ich bin zwar wenig verreist, hatte also einige Monate durchgehend Arbeit, trotzdem ist sehr viel passiert.
Die Kinder hatten von Dezember bis Anfang März Sommerferien, was bedeutet, dass für diese Zeit fast alle jeden Tag den ganzen Tag im Heim waren. Der Sommer in Córdoba ist normalerweise durchgehend heiß, wir hatten meistens ungefähr 30-40 Grad. Dieses Jahr gab es aber einige kühlere Regentage, die in der Hitze dann eine willkommene Abwechslung darstellten.
Noch im Januar war dann auch schon mein Zwischenseminar, das für alle Freiwilligen meiner Organisation, die in Argentinien oder Chile arbeiten, im mittleren Chile stattfand. Ein Woche lang lebten wir auf einem sehr idyllischen Waldgelände und hatten eine schöne Zeit mit vielen Einheiten zur Reflektion, Motivation und Inspiration. Auf dem Rückweg nutzte ich die Chance und besuchte die gute Emily in Santiago, wodurch ich einen kleinen Einblick in ihren AuPair-Alltag und das Leben in Chiles Hauptstadt bekommen konnte.

Daraufhin folgten im Heim warme Wochen, die beispielsweise fürs Baden im Pool, kleine Wanderungen, Ausflüge zum Fluss oder zur Plaza und Übernachtungsfeiern im Salón genutzt wurden. Ich habe mich aber letztendlich auch ein bisschen gefreut, als die Kinder dann im März wieder in die Schule mussten, da es dadurch im Heim tagsüber wieder deutlich ruhiger geworden ist.
Weniger habe ich mich allerdings über das gleichzeitige Saisonende in San Marcos Sierras gefreut. Während der Sommermonate war das Dorf wie ausgewechselt: Überall tummelten sich Hippie-Touristen und jeden Abend der Woche gab es Konzerte und Aufführungen auf der Plaza und in den Bars. An einem Wochenende im Februar war außerdem die Fiesta Nacional de la Miel Serrano, also das Honigfest. An vier Tagen fanden zahlreiche Veranstaltungen im Stadion des Dorfes statt, die ehrlich gesagt wenig mit Honig und noch weniger mit dem sonstigen Lebensstil hier im Dorf zu tun hatten, dafür aber sehr abwechslungsreich und traditionell argentinisch waren. In einer Nacht gab der bekannte Cuartetto-Sänger Ulises Bueno ein Konzert, das wir selbstverständlich besuchten, worauf die Kinder sehr neidisch waren. An einem Nachmittag fann dann auch eine „Gauchoparade“ statt, da kamen 100-200 traditionell gekleidete Gauchos aus der Region auf Pferden an der Plaza vorbeigeritten (unter anderem auch ganz kleine Kinder, die wahrscheinlich noch gar nicht laufen konnten). Wir schauten uns den Umzug mit unseren Kindern an und besonders die Kleinsten waren sehr begeistert von den caballitos. Daraufhin gab es ein groooßes Asado (Grillfest) im Stadion, begleitet durch Folkloregesang und Chacarera-Tänze. Die Gauchos hatten alle ihre Pferde vor dem Stadion im Graben abgestellt und liefen in ihren traditionellen Trachten über das Gelände. Nachts fand dann in einem abgezäunten Bereich Rodeo statt, was ich persönlich durchaus interessant, aber vor allem schrecklich fand. Die Pferde werden dabei logischerweise so lange provoziert, bis sie lospreschen und versuchen den Reiter abzuwerfen.

Pünktlich zum Schulstart gab es für uns drei Deutsche noch eine weitere große Veränderung, denn  wir sind nach sechs Monaten aus unseren Zimmern im Heim ausgezogen und wohnen seitdem in einem Häuschen ein paar Blöcke weiter. Das war von Anfang an so vorgesehen und kam mir zu dem Zeitpunkt auch genau richtig, obwohl ich es insgesamt auch sehr genossen habe, im Heim zu leben. Durch den täglichen ganztägigen Kontakt zu den Kindern, konnte ich mich schnell einleben und die Kinder gut kennenlernen. Nun genieße ich es sehr, auch mal Ruhe und Abstand zum Kinderheim zu haben. Unser Haus ist sehr zentral gelegen und hat einen Garten mit einem typischen Grill, einer Hängematte und einem Zitronenbäumchen. Nun nutzen wir die Wochenenden, um Freunde, Bekannte und Mitarbeiter zu empfangen, was vorher im Heim nicht möglich war. Ich habe sogar über Ostern schon Besuch von Emily bekommen, der ich dann ein bisschen das Dorf zeigen konnte.
Während kurz nach den Sommerferien das Dorf erst einmal wie ausgestorben war, gab es dann doch schon ein paar Wochenenden, an denen die Feria (Kunsthandwerkermarkt) wieder geöffnet war und Gäste von Außerhalb ihren Weg auf die Plaza, an den Fluss und in die Bars fanden.

Momentan vergehen die Wochen wie im Flug. Ich merke, dass ich nach drei Monaten ohne Urlaub, dringend mal wieder raus müsste. Momentan nutze ich aber auch meine freien Tage für Ausflüge innerhalb der Provinz. Beispielsweise war ich in letzter Zeit mehrmals in Córdoba Capital und auch in einem Nationalpark in der Nähe. Gerne gehen wir weiterhin zum Río Quilpo, der 4km vom Dorf entfernt ist, zum Fluss im Dorf oder zu den zwei Aussichtsplätzen.

Wir hatten Anfang April auch einen Wochenendtrip mit dem ganzen Heim nach Carlos Paz, einer Stadt in der Nähe von Córdoba, wo eine Motorradgruppe ein schönes Programm für die Kinder organisiert hatte. Wir besuchten Theateraufführungen, einen Freizeitpark und fuhren Boot auf dem großen See, an dem die Stadt gelegen ist. Auch wenn es natürlich relativ anstrengend ist, Tag und Nacht mit den Kindern zu verbringen, genieße ich die Zeit bei solchen Ausflügen immer sehr. Man lernt die Kinder nochmal in einer komplett anderen Situation kennen, was dann durchaus interessant sein kann und vor allem viel Spaß bringt. Die zahlreichen Unternehmungen mit den Kindern haben die Bindung nochmal deutlich gestärkt und ich habe sie inzwischen alle sehr ins Herz geschlossen.

Seitdem die Schule wieder angefangen hat, kommen fast jedes Wochenende Besuchergruppen, die sich mit den Kindern beschäftigen und teilweise viele, viele Spenden mitbringen. Ich mag das total gerne, wenn so viel los ist, da die Kinder dann alle gute Laune haben und auch echt coole Leute dabei sind. Wir hatten beispielsweise schon mehrmals Besuch von den Kindern aus dem Kinderheim in Salsipuedes, die wir ja schon vom Urlaub am Meer kennen. Außerdem kommen Kirchengruppen, Schulklassen oder Freunde der Mitarbeiter.

Gezwungenermaßen muss ich mich wohl jetzt langsam vom Sommer verabschieden, während in Deutschland die warme Zeit gerade erst startet… Ich hatte tatsächlich nicht gedacht, dass mir ein so langer Sommer so gut gefallen könnte, haha. Nun ist mit großer Verspätung scheinbar der Herbst bei uns angekommen. Während März und April noch richtig warm waren, muss man jetzt schon die Daumen drücken, die Sonne überhaupt einmal am Tag zu sehen. Wir machen aber das Beste daraus und nutzen die wenigen Sonnentage umso intensiver.

Wie man wahrscheinlich merkt, gibt es bei mir wenig Langeweile. Die Arbeit im Heim bringt weiterhin viel Spaß und es gibt immer wieder Abwechslungen im Arbeitsalltag, denn neuerdings werden die Guardapolvos (weiße Schulkittel) zweimal wöchentlich gebügelt und wir holen die Kinder nun auch manchmal zu Fuß von der Schule ab. 😀
Auch das Dorf zeigt sich immer wieder von der besten Seite und ich fühle mich hier einfach pudelwohl. ❤

 

Ein Tag im Sommer

Ich hatte schon länger überlegt, einmal von einem Tag hier im Kinderheim zu berichten, und da heute ein besonders schöner Tag war, dachte ich mir, mache ich es dann mal!
Momentan ist hier Hochsommer und bis Ende Februar sind für alle Kinder noch Ferien. Das neue Schuljahr beginnt dann im März. Bis dahin sind fast alle Kinder hier bei uns und das den ganzen Tag.
In den Ferien werden die Kinder erst um 9:30 Uhr geweckt. Heute habe ich in der Schicht am Vormittag gearbeitet und mich dann direkt auf dem Weg zu den Häusern und Zimmern der Kinder gemacht. Für die Ferien sind ein paar argentinische Mädels hier, die bei allem helfen, das anfällt, deshalb war das Frühstück ruckzuck vorbereitet und nachdem ich mit den chicas geklärt hatte, wer sein Kleid vom letzten Abend nochmal anziehen darf, wurden gemütlich die facturas verzehrt und der Tee geschlürft.
Nachdem ich nur ein paar Minuten in der Ropería war und dort ein paar Regalfächer sortierte, kam meine Mitfreiwillige Sarah herein und schlug vor, ob wir nicht mit den Kindern zum Fluss gehen wollen, da wir das schon länger mal wieder vorhatten und sich der Vormittag anbietet, da die Hitze dann noch etwas erträglicher ist. Außerdem haben wir hier gerade ziemlich viele kleine Kinder, die sich über jeden Ausflug freuen. Wir klärten also schnell alles mit den tíos ab, schnappten uns ein paar kühle Wasserflaschen und Decken zum Setzen und wanderten durchs Dorf zum Fluss. Der Fluss liegt echt genau im Zentrum hinter der plaza und jetzt im Sommer ist das ganze Ufer von Grüppchen gefüllt, die im Schatten Mate trinken, ihre Kinder im flachen Wasser spielen lassen und einfach die Sommer in den Sierras genießen.
Auch wir tranken Mate, hörten Musik, machten Fotos und schnackten, während die vier Kleinsten im Wasser Tauchübungen veranstalteten. Die Zeit verging schnell, sodass wir uns dann auch schon wieder auf den Rückweg durch die Mittagshitze machen mussten. Verschwitzt und durstig erreichten wir dann unsere Heim-Oase und mussten nicht mehr lange aufs Mittagessen warten. Es gab Reis mit Mayonnaise- ein Klassiker, allerdings mit leckerem pollo aus dem Steinofen und saftigen Pfirsichen als Nachtisch.
Nach dem Essen kündigten die Chefs an, dass wir nachmittags an den Río Quilpo fahren würden, der ungefähr 5 Kilometer vom Heim entfernt liegt. Im Pool ist die Hitze theoretisch natürlich auch zu ertragen, allerdings ist ein Fluss, in dem man viel Platz zum Schwimmen und Toben hat, dann doch noch mal eine andere Geschichte. Wir packten schnell Badezeug und merienda-Snacks ein und quetschen uns zusammen in die Transporter, um zum Fluss zu fahren.
Dadurch, dass Montag war, konnten wir relativ schnell einen Schattenplatz ergattern und keinen Augenblick später stürzten sich die Kindern schon in die “Fluten” und wir hinterher. Die Badestelle hat einen angenehm flachen Teil, der sich ideal zum Schwimmenüben für die Kleinen eignet, aber auch nicht zu flach für die Größeren ist. Geht man ein Stück flussabwärts gibt es dann auch eine tiefe Stelle, wo man nicht mehr stehen kann und das Wasser schön frisch ist. Wir hatten also keine Probleme, die Kinder zu beschäftigen, man konnte sie eigentlich nur zum merienda essen aus dem Wasser bekommen. Alle hatten einen wirklich schönen Nachmittag mit ein bisschen Urlaubsgefühl. Als die Sonne langsam unterging, wurden wir dann auch schon wieder zurück zum Heim transportiert, wo ein Freund des Heims wartete und den Jungs nach dem Abendessen die Haare schnitt. Zum Einschlafen gab es für die Kinder noch eine Geschichte und ein Lied und dann sind sie hoffentlich schnell in ihren Träumen verschwunden. In letzter Zeit kommt es nämlich nicht selten vor, dass ein paar unausgelastete Kinder, die anderen nachts wachhalten. Bei der Hitze kann man sich aber auch einfach nicht bewegen. Im Januar hatten wir noch ein paar kühlere Regentage, die ich zwischen den heißen Tagen dann wirklich genoss, die Zeit ist jetzt allerdings vorbei. Gerade hört die Hitze irgendwie nicht auf, an heißen Tagen kommt aus dem Wasserhahn nur noch warmes Wasser und irgendwann werden vom Dorf die Leitungen geschlossen, weil das Wasser knapp wird.

So wie dieser Tag ist natürlich nicht jeder, ich verbringe meine Freizeit auch oft ohne die Kinder. Trotzdem kenne ich die meisten jetzt schon so gut, sodass man wirlich richtig Spaß mit ihnen haben kann.
Nach dem Zubettgehen der Kinder haben wir uns noch ins chillige Nachtleben von San Marcos gestürzt und den Sommertag auf diese Weise bestens beendet.
Ich hoffe in Deutschland wird der Schnee gut genutzt!
Bis dann!

(Der Tag war übrigens schon Anfang Februar, momentan gibt es wieder angenehmere Temperaturen und die Schule beginnt am Montag.)

Ab in den frischen Süden…

Kurz vor Weihnachten habe ich mir im Dezember den Wunsch erfüllt, den südlichsten Süden Argentiniens (Feuerland und Südpatagonien) zu bereisen. Auch ein Mitfreiwilliger hatte dieses Ziel auf seiner Liste, weshalb wir uns dann gemeinsam auf den Weg ans Ende der Welt machten. Der Weg nach Ushuaia (Argentiniens südlichste Stadt, die auf der Hauptinsel Feuerlands liegt) hätte mit dem Bus für uns ungefähr drei Tage gedauert, deshalb entschieden wir uns für einen Flug. Wir verbrachten eine letzten Abend mit Ina in Córdoba, da für sie die Zeit in Argentinien dann schon vorbei war, und stiegen früh morgens ins Flugzeug gen Süden. Schon aus dem Flugzeug hatte man einen herrlichen Ausblick über die Berge und das Meer. Ushuaia  gilt als Fin Del Mundo  (Ende der Welt) und als letzte Station vor der Antarktis. Von dort starten viele Expeditionsreisen (auch für Touristen) ins ewige Eis. Ein Antarktistrip stand bei uns allerdings nicht auf dem Plan, dafür unternahmen wir andere schöne Dinge. Beispielsweise wanderten wir zu einem nahegelegenen Gletscher. Währenddessen wurden wir von eiskalten Winden überrascht und mussten auch über mehrere Schneefelder wandern, was bei mir ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung hervorgerufen hat, haha. Von oben konnte man dann bis ins Tal auf die Stadt und den Beagle-Kanal sehen, es hat sich also sehr gelohnt.
Einen kompletten Tag nahmen wir uns, um den Nationalpark Tierra Del Fuego zu besuchen. Dort wanderten wir an der rauen Küste entlang und sahen schöne Wälder, Felsen und Fjorde. Außerdem konnten wir dort hervorragend die Folgen der Biberbesiedlung sehen. Sie wurden in Feuerland angesiedelt, um die Wirtschaft anzutreiben, dabei wurde allerdings scheinbar nicht bedacht, dass sie dort keine Fressfeinde haben und die Bäume nicht angepasst sind. Deshalb vermehren sich die Biber immer weiter und zerstören sämtliche Waldgebiete. Ein Wanderweg im Nationalpark führt direkt zu einem riesigen Biberdamm und rundherum sind alle Bäume abgestorben.
In der Stadt Ushuaia kann man auch sehr schön bummeln: Sie ist zwar nicht groß, es gibt aber einige Läden, Cafés, Bars und Restaurants und am Hafen kann man über den Beagle-Kanal auf schöne Berge blicken. Die Temperaturen und die grundsätzliche Stimmung hätten sich perfekt für einen kleinen Weihnachtsmarkt oder wenigstens einen schönen Tannenbaum im Zentrum geeignet, die Vorweihnachtszeit gehört aber scheinbar einfach nicht zur argentinischen Kultur.
Wir besuchten außerdem zwei Museen, die über die Stadt und die Vergangenheit der Insel berichten. Als Feuerland von den Europäern entdeckt wurde, sahen diese aus der Ferne die Feuer der Ureinwohner, und gaben der Inselgruppe aus diesem Grund ihren Namen. Innerhalb kurzer Zeit wurden die ursprünglichen Einwohner, die dort vor allem vom Fang der Meerestiere lebten, fast komplett ausgerottet. Ushuaia besaß für einige Jahre im 20. Jahrhundert ein großes Gefängnis, das heute nur noch ein Museum ist. Anschließend siedelten sich mehr Menschen an und heute ist die Stadt ein beliebtes, wenn auch sehr teures, Touristenziel. Meiner Meinung nach, könnte man aber noch viel mehr aus der Stadt herausholen.
Daraufhin machten wir uns auf den Weg nach Río Grande: eine weitere Stadt auf dem argentinischen Teil der Insel. Die Stadt hatte für uns, trotz der Lage am Meer, wenig zu bieten und so fuhren wir am nächsten Tag direkt weiter nach Punta Arenas im chilenischen Patagonien. Wir mussten also zunächst die chilenische Grenze in Feuerland überqueren und daraufhin auch noch die Magellan-Straße. Auf der Fähre konnte ich einen schwarz-weißen Delphin erspähen, worüber ich mich seeehr gefreut habe! In Punta Arenas ist verglichen zu Río Grande touristisch sehr viel los. Die Stadt ist jedenfalls ziemlich sauber und mal wieder direkt am Wasser gelegen. Von hier unternahmen wir eine (überteuerte) Fahrt zu der Isla Magdalena, auf der in den Sommermonaten tausende Pinguine leben. Es war sehr toll, die Pinguine so nah und in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Auf der Rückfahrt konnte ich erneut einen Delphin entdecken und außerdem einen Wal, beziehungsweise das Wasser, das aus seinem Rücken kam, wuhu.
Kurz vor Weiterfahrt nach Puerto Natales, Chile, von wo aus wir ursprünglich den bekannten Nationalpark Torres Del Paine besuchen wollten, bemerkte ich ganz zufällig, dass wir den Rückflug (der unserer Meinung nach nur noch 5 Tage vor uns lag) aus Versehen für den Februar gebucht hatten, statt für den Dezember. Durch die Mithilfe unserer Mitfreiwilligen in San Marcos, konnten wir diesen Fehler aber mehr oder weniger schnell beheben, mussten aber den Abflug um zwei Tage vorziehen. Wir ließen aus zeitlichen Gründen also den Nationalpark Nationalpark sein und fuhren zurück nach Argentinien nach El Calafate. In der Stadt wimmelte es vor ausländischen Touristen und die meisten waren mit Wanderausrüstung ausgestattet. Die Stadt liegt am See Argentina und ist nicht weit vom Parque Nacional Los Glaciares entfernt. Von El Calafate dort unternahmen wir einen Tagesausflug nach El Chaltén (das Wanderparadies Argentiniens, für das man sich eigentlich viel mehr Zeit nehmen könnte oder sollte!). Wir wanderten dort zu einem schicken Gletschersee, könnten aber aufgrund einer fiesen Wolke kein besonders schönes Panorama genießen. Wir fuhren nicht im normalen Reisebus, sondern in einem kleinen Transporter und hörten während der Fahrt die herrliche Musik des Fahrers (ich sag nur Cheri Cheri Lady), weshalb ich die Hin- und Rückfahrt fast genauso genossen habe, wie die Wanderung selbst.
Des Weiteren besuchten wir den Gletscher Glaciar Perito Moreno. Wir hatten den perfekten Nachmittag abgepasst und konnten bei strahlendem Sonnenschein den mächtigen Gletscher bewundern. Der Gletscher ist eines der bedeutendsten Touristenziele des Landes und das auch wirklich nicht ohne Grund. Stege ermöglichen es, sehr nah an den Gletscher heranzukommen und durch Treppen kann man das Eis aus verschiedenen Ebenen und Perspektiven ansehen. Mit Glück kann man auch beobachten, wie Eisstücke vom Gletscher abbrechen. Alle paar Minuten donnerte es also, wie bei einem Gewitter, und Eis stürzte in den türkisen Gletschersee.

Der Gletscher sollte eigentlich der Abschluss unserer Reise sein, am nächsten Mittag wollten wir dann über Buenos Aires zurück nach Córdoba fliegen. Da machte uns Argentinien leider einen Strich durch die Rechnung: Aufgrund eines Generalstreiks fielen für zwei Tage sämtliche Flüge und Busfahrten im gesamten Land aus, inklusive unseres neugebuchten Flugs. Glücklicherweise erfuhren wir dies noch am Tag vorher, sodass wir am nächsten Tag frühzeitig am Büro unserer Fluglinie standen und letztendlich “nur” drei Stunden auf ein Gespräch warten mussten. Einen neuen Flug zu finden, der uns noch pünktlich zu Weihnachten nach Hause gebracht hätte, stellte sich als unmöglich heraus. Uns blieb letztendlich nur übrig, eine weitaus längere Strecke zu nehmen, indem wir mit dem Bus 26 Stunden nach Bariloche fuhren und von dort aus dann mit dem Flugzeug nach Córdoba zurückkehrten. Es war jedenfalls eine herrliche Erfahrung die Auswirkungen eines Generalstreiks so hautnah mitzubekommen, das erlebt man ja auch nicht alle Tage!
Wir waren letztendlich jedenfalls umso glücklicher, wohlbehalten, wenn auch mit drei Tagen Verspätung, wieder im Heim anzukommen und ich freute mich schon sehr auf die kommenden Feiertage.
Trotz des etwas anstrengenden Abschlusses war es eine sehr schöne Reise mit sehr beeindruckender Natur. Ich habe jetzt noch mehr Lust bekommen eines Tages mit dem Auto durch Argentinien zu fahren. Die Straßen sind einfach endlos und viele Orte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar. Besonders beliebt ist die Ruta Nacional 40, die einmal quer durch Argentinien, also auch durch sämtliche Klimazonen, führt. Mal sehen…

Liebste Grüße!

Navidad und Año Nuevo

Holla, wie schnell die Zeit vergeht! Höchste Zeit, dass ich noch von unseren Feierlichkeiten in Argentinien berichte:

Anders als für den Sommerurlaub, wurde die Vorbereitung für Weihnachten erst ganz knapp vor dem Ereignis gestartet. Die Tage vorher trudelten immer mehr Gäste ein, die mit uns im Heim Weihnachten verbringen wollten.
Wir hatten sogar einen schicken Tannenbaum, der erstaunlicherweise sogar schon fast 2 Wochen vor Weihnachten im Salon platziert wurde.
Kurz vor dem 24. Dezember wurden dann ein paar bunt blinkende Lichterketten und andere weitere Dekoelemente im Salon (Wohnzimmer) und im Comedor (Esszimmer) installiert und den Vormittag des Heiligabend nutzte die Mutter des Chefs, um dem Ganzen noch einen Feinschliff zu geben. Der Weihnachtsbaum, der bisher nur “dezent” geschmückt war, wurde nun mit sämtlichen Kugeln und Figürchen beladen, sodass man letztendlich nur noch wenig vom eigentlichen Plastikbaum sah. Parallel wurde natürlich auch das Festessen vorbereitet, die Tafel gedeckt und die Festkleidung herausgesucht. Nach dem Duschen hatten also alle Kinder ihre schönsten salir-Outfits an und waren bereit für die Feier. Übrigens waren über die Feiertage viele Kinder gar nicht Heim, da sie für diese Zeit in Familien untergebracht wurden. Es waren am Ende also viel mehr andere Gäste im Heim, als Kinder.
Wir aßen dann jedenfalls sehr lecker und schnell war es auch schon Mitternacht. Daraufhin begaben wir uns alle nach Draußen, um anzustoßen und ein kleines Feuerwerk zu betrachten. Währenddessen kam Papa Noel für die Kinder und hinterließ Geschenke, die daraufhin natürlich ausgepackt und ausprobiert wurden. Wir Älteren hatten untereinander gewichtelt, sodass jeder nur ein Geschenk für den amigo invisible (unsichtbaren Freund) besorgen musste.
Anschließend wurde gespielt und geklönt und viel getanzt, um traurige Gedanke zu vertreiben. Als wichtige Tradition gilt in Argentinien der Obstsalat (ensalada de frutas), der vorher in großen Mengen produziert und nachts dann gegessen wurde.
Hier ist es außerdem üblich, an Heiligabend auszugehen. Dadurch, dass wir aber so sehr mit den Kindern beschäftigt waren, war es letztendlich schon zu spät für die Konzerte, die im ganzen Dorf stattgefunden hatten, sodass wir dann nur noch die Kinder ins Bett brachten und anschließend zur Espina (Dorn) fuhren, um dort den Sonnenaufgang anzusehen. Es handelt sich dabei um einen der zwei Aussichtspunkte des Dorfes, an dem ein Monument in Form eines Dorns steht. Ich hatte meine Ukulele dabei und dann wurde es wirklich ein sehr entspannter Beginn des Tages.
Weihnachten war insgesamt dann auch so schnell wieder vorbei, wie es gekommen war.

An Silvester war der ganze Besuch schon wieder weg, trotzdem wurde wieder schicke Kleidung herausgesucht und mit allen gemeinsam an einer großen Tafel gespeist. Dann gab es wieder eine Party und die Kinder sind lange, lange wach geblieben. Wir Freiwilligen sind dieses Mal danach doch noch ins Dorf gegangen, wo auch ordentlich etwas los war, jedoch wurde es schnell frisch und es begann stark zu regnen, weshalb es in den Außenbereichen ungemütlich nass wurde und im Innenbereich ungemütlich eng und stickig. Der Abend endete also relativ schnell für uns, año nuevo soll aber sozusagen der Startschuss für die Sommersaison in San Marcos sein. Das ganze Dorf ist jetzt voll mit Touristen, die meisten davon sind Hippies oder möchte-gern-Hippies und jeden Tag gibt es viele Veranstaltungen an verschiedenen Orten des Dorfes. Die Hitze macht mich ab und zu schon ein bisschen fertig, aber ich freue mich trotzdem sehr auf die nächsten Sommermonate.
Am Morgen des 6. Januar gab es für die Kinder noch einmal Geschenke, die die Drei Könige in ihre Schuhe gesteckt hatten. Am Sonntag kam dann wirklich die Heiligen Drei Könige. Es gibt hier so einen Motorradverein, der sich für soziale Projekte engagiert. Mit lautem Hupen fuhren ungefähr 20 Motorräder auf den Hof, angeführt von den Königen. Sie brachten viele Geschenke, Süßigkeiten und Essen für die Kinder mit und beschäftigten sie den Tag über mit Spielen, Tänzen, Clowns und einem Theaterstück.

Für mich war Weihnachten und die Zeit drumherum natürlich ganz anders, als ich es aus Deutschland gewohnt bin, aber trotzdem wirklich etwas Besonderes. Mir fehlten die Vorweihnachtszeit und die “Kälte”, um ernsthaft in Weihnachtsstimmung zu kommen, aber es war echt schön mit den Kindern zusammen zu feiern und kennenzulernen, wie hier alles abläuft.

Ich hoffe auf jeden Fall, dass ihr auch alle schöne Weihnachtstage hattet und anschließend gut ins neue Jahr gestartet seid.
Sueeeerrrteee!!

Schöne Tage am Atlantik

Ende November war es endlich soweit: Wir fuhren mit dem ganzen Heim und auch den Heimen aus Rumipal und Salsipuede, die wir im September bereits besucht hatten (ich berichtete), nach La Lucila del Mar ans Meer. Dort sollten wir in einem Häuserkomplex eine Woche direkt am Strand leben und den Kindern eine schöne Zeit bereiten. Für die meisten ist es der einzige Urlaub im Jahr und einige hatten vorher sogar noch nie das Meer gesehen. Die Vorbereitungen in unserem Heim begannen schon Wochen vorher, da für die ungefähr 30 Kinder die schönsten Klamotten herausgesucht werden musste. Dafür mussten wir viel im Kleiderschuppen (von Ina Kammer des Schreckens getauft) suchen, wo die Kleidung gelagert ist, die gerade nicht benötigt wird. Die Taschen waren alle rechtzeitig gepackt, nur wir unorganisierten Deutschen mussten in der Nacht vorher noch schnell unsere sieben Sachen zusammen sammeln.

Ich werde hier oft für meine helle Haut belacht und muss mich fast täglich einem Armbräunevergleich unterziehen. Um mich zu trösten, wurde mir dann erzählt, dass ich am Meer sicherlich genauso braun werden würde, wie die tía Sarah (meine Mitfreiwillige, die man (aus meiner Sicht) auch für eine Südamerikanerin halten könnte). Ich freute mich also nicht nur darauf, endlich das Meer wieder zu sehen, sondern hatte im Hinterkopf die Hoffnung, dass, aus welchem Grund auch immer, meine Haut nun erstmalig knackig braun werden würde.

Als es dann also losging, machten wir es uns gemeinsam mit den Kindern im Doppelstockbus bequem und es wurde während der 12-stündigen Fahrt viel Musik gehört, geschlafen und Mate getrunken. (Es gibt übrigens an jeder Raststätte Münzautomaten, an denen man sich die Thermoskannen mit heißem Wasser auffüllen kann.)

Außerdem konnte ich besonders kurz vor Ende der Fahrt sehr, sehr viele besondere Vöglis erspähen, die auf den endlosen Wiesen am Straßenrand standen. (Störche, Falken etc.)

Unsere Unterbringung war quasi eine große Jugendherberge, die im Wald, zwei Minuten vom Strand entfernt, gelegen war. Es gab einen großen Gemeinschaftssaal und eine Küche. Die Mitarbeiter des Heims in Salsipuede hatten sich fast für jeden Tag ein Programm überlegt und so vergingen die Tage, wie im Flug. Vormittags fanden Spiele statt, nachmittags gab es meist Freizeit am Strand. Abends gab es mal Kino, einen Abend am Feuer, einen Talentabend, einen Strandspaziergang zur nächsten Kleinstadt und einen Tanzwettbewerb, den Ina und ich mit unserer Hip-Hop-Gruppe natürlich souverän gewannen. Während der Zeit hatte eine unserer chicas ihren 15. Geburtstag, was hier in Argentinien für die Mädchen der wichtigste Geburtstag ist, da sie dann sozusagen zur Frau werden. Der Geburtstag wird also normalerweise richtig groß gefeiert und deshalb haben wir ihren Geburtstag dann auch kräftig zelebriert. Der ganze Saal wurde geschmückt, es gab ein Festessen, eine große Torte und eine richtige Zeremonie. Das Geburtstagskind hatte extra ein langes Kleid, eine Krone und hohe Schuhe bekommen und wurde dann vorne zu einem großen Tisch mit ihren Geschwistern geführt. Später haben wir ihr Kerzen übergeben und dazu Dinge gewünscht. Anschließend gab es dann eine Party bis in die Nacht.

Mir hat der Urlaub insgesamt richtig gut gefallen, auch wenn es für uns tíos ja kein richtiger Urlaub war, da wir mit Kindern in 10er Zimmern übernachteten und letztendlich wenig Zeit zur Entspannung hatten.

Der Ort an sich war auch echt sehr schön: wir waren etwas abseits vom Dorf, deshalb war der Strand fast menschenleer und kaum bebaut. Die Wellen waren eigentlich jeden Tag ziemlich hoch, entspannt schwimmen war also nicht möglich und ich hatte ein bisschen Angst, wenn die Kinder einfach ohne Aufsicht baden waren (da war ich aber scheinbar die Einzige). Es ist aber nichts passiert!

Wir hatten auch gar nicht so ein heißes Wetter, wie erwartet. Die Sonne schien zwar fast jeden Tag, doch durch den Wind und auch abends brauchte man mindestens 1-2 Pullover. Am Strand sind wir natürlich auch mal in Badesachen herumgelaufen und so wurden viele Kindern schnell zu negritos (Schwärzchen haha), während ich vergeblich auf die erste Bräune wartete. Letztendlich bin ich bestimmt doch auch ein bisschen gebräunt, man merkt das nur nicht so gut, wenn alle anderen noooooch brauner werden…

Viel zu schnell war die Zeit dann auch schon wieder um und es ging mit schönen Muscheln und zahlreichen Erinnerungen im Gepäck zurück ins heimatliche San Marcos Sierras.